Bericht zum Gottesdienst am Israelsonntag, 28.August 2011

Wir müssen uns erinnern – auch wenn es weh tut!

Am Sonntag, den 28.August 2011 gedachte die Evangelische Kirchengemeinde Leimen aus Anlass des diesjährigen Israelsonntags der Deportation von Juden aus Leimen in das Lager Gurs im Oktober 1940. Pfarrer Steffen Groß hatte die Idee zu diesem besonderen Gottesdienst, in dem drei Schülerinnen der Geschwister-Scholl-Schule St.Ilgen (Katharina Belman, Anastasia Gammermajster und Sabina Kinderknecht) ihr Mahnmal-Projekt vorstellten. Sie hatten zusammen mit Herrn Delfosse das Schicksal der Leimener Juden gegen manche Widerstände erforscht und aufgearbeitet.

Zu Beginn des Gottesdienstes hob Pfarrer Groß hervor, was nur allzu leicht vergessen wird: Das Judentum ist die Wurzel unseres Glaubens, wir selbst sind spätere Äste an diesem Baum und wir dürfen auf Gottes Bund mit Israel aufbauen. Gerade auch vor diesem Hintergrund ist es unfassbar, dass jüdische Menschen in der Zeit der Naziherrschaft ermordet wurden. In ihrem Bericht riefen sodann die Schülerinnen die Namen der Leimener Opfer in Erinnerung und lasen Auszüge aus ihren Briefen aus den Lagern Gurs und Noe vor:



Diese vier jüdischen Menschen und ihr unvorstellbares Leid dürfen in Leimen nicht vergessen werden, so die drei Schülerinnen. Deshalb haben sie im Rahmen ihres Projektes zwei Gedenksteine angefertigt. Der eine Stein steht bereits auf der zentralen Gedenkstätte in Neckarzimmern, der andere soll seinen Platz in Leimen finden. Er ist einer Kerze nachempfunden. Die Kerze und die Flamme stehen für die Hoffnung. Die Wachstropfen stehen für die vier Verschleppten und dafür, dass ihre Hoffnung leider zerronnen ist.

In Kapitel 11 des Römerbriefes spricht Paulus im Blick auf die Erwählung Israels sinngemäß über die Juden: „Sie bleiben die von Gott Geliebten, weil sie die Nachkommen der erwählten Väter sind, auch wenn sie Christus nicht nachfolgen.“ Entsprechend entfaltete Pfarrer Groß in seiner Predigt über diesen Paulustext, dass wir als Christen gar nicht anders können, als uns immer neu vor den Opfern zu verneigen – und alles Menschenmögliche zu tun, dass sich ein solches Unrecht an unseren jüdischen Geschwistern nicht wiederholt. Gegen so manche Stimme, die das Ende der Erinnerung fordert, gelte es zu erwidern: „Wir müssen uns erinnern – auch wenn es weh tut. Es gibt keine Alternative! Daher muss dieser Gedenkstein seinen Platz mitten in Leimen finden, muss uns erinnern und verstören, muss uns zum Stolperstein werden.“

Zum Abschluss des Gottesdienstes bündelten sich in den Fürbitten alle Anliegen und Hoffnungen der Mitglieder des Mahnmal-Projektes. Dass jüdische Gemeinden hier in Deutschland nie mehr Angst haben müssen und weiter von der Liebe Gottes zu ihrem Volk erzählen können. Dass die Erinnerung an dieses grausame Unrecht hier in Leimen zum Beginn einer Erinnerungskultur werden möge, die ein Teil unseres Lebens hier in Leimen ist. Dass der Frieden zwischen Israelis und Arabern wachse. Und dass sich so die biblische Verheißung des Friedens für Israel und alle Völker schon heute Bahn bricht.



Nach dem Gottesdienst standen (v.l.n.r.) Anastasia Gammermajster, Sabina Kinderknecht und Katharina Belman den interessierten Gottesdienstbesuchern in der Mauritiuskirche Leimen noch Rede und Antwort.