Gedenkstein aus Leimen wurde auf dem zentralen Mahnmal in Neckarzimmern eingeweiht

Am 22.Oktober 1940 wurden nahezu sämtliche Juden Badens, der Pfalz und des Saarlandes aus ihrer Heimat herausgerissen und in das südfranzösische Lager Gurs verschleppt..
Auch aus Leimen wurden damals vier jüdische Mitbürger deportiert. Am Sonntag, den 17.Oktober 2010 fand aus Anlass des 70.Jahrestages dieser Deportation eine Gedenkfeier auf dem Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend in Neckarzimmern statt, in deren Rahmen zehn neue Gedenksteine eingeweiht wurden, darunter auch der Gedenkstein aus Leimen.



Drei Schülerinnen der Geschwister-Scholl-Schule Leimen-St.Ilgen hatten seit Anfang September 2010 fast täglich den Gedenkstein bearbeitet. Ihnen stand neben den betreuenden Lehrkräften Katrin Zürn, Nadine Schulze und Martin Delfosse ganz besonders eine Person zur Seite, ohne die dieses Projekt nicht durchführbar gewesen wäre:

Steinmetz Udo Baumgärtner aus Leimen unterstützte die drei Jugendlichen in ihrer Arbeit durch Rat und Tat. Ohne sein ehrenamtliches Engagement für dieses Jugendprojekt wäre die Herstellung dieses Gedenksteines nicht möglich gewesen. Unser herzliches Dankeschön geht daher an Herrn Baumgärtner: Danke für Ihren Einsatz, danke für Ihre Geduld, danke für Ihre aufmunternden Worte, als die Arbeit schwer und mühsam war und Fortschritte nur vage zu erkennen waren.

Ein großes Glück war es auch, dass wir den Heidelberger Kunstschmied Walter für unser Mahnmal-Projekt gewinnen konnten. Die Flammenskulptur, die den Stein krönt, ist sein Werk. Unsere Vorstellungen wurden von ihm hervorragend umgesetzt. Für diese handwerklich aufwendige und anspruchsvolle Arbeit danken wir auch ihm recht herzlich.

Mit der Recherche über das Schicksal der Leimener Juden und der öffentlichen Vorstellung der Arbeitsergebnisse (siehe hierzu den ausführlichen Bericht) und der Herstellung des ersten Gedenksteines, samt Einweihung des Steines auf dem zentralen Mahnmal in Neckarzimmern, ist der überwiegende Teil des Jugendprojektes geschafft, doch die Herstellung des zweiten identischen Steines und seine Aufstellung und Einweihung in Leimen selbst stehen noch aus. Diese Arbeiten beginnen ab Anfang November und werden erst im Frühjahr 2011 beendet sein.

Dank der Unterstützung durch die Stadt Leimen, durch die Kirchen in Leimen und St.Ilgen, durch Spenden aus der Bevölkerung und durch eine großzügige Spende der SPD-Ortsvereine Leimen und St.Ilgen ist die Finanzierung der bislang angefallenen Kosten in Höhe von ca. 2700 Euro inzwischen in sicheren Tüchern. Daher herzlichen Dank an alle Unterstützer dieses Jugendprojektes!

Auf der Gedenkfeier in Neckarzimmern sprachen unter anderem auch der Landesrabbiner Benjamin David Soussan und Kurt Maier, ein Überlebender der Deportation vom 22.Oktober 1940, der als zehnjähriger Junge verschleppt worden war. In seiner Ansprache ging Kurt Maier auf die Bedeutung des Ökumenischen Mahnmal-Projektes ein:

„Die jungen Menschen aus Baden haben sich mit ihren Gedenksteinen selber in den Kreis der Erinnerungen eingereiht. Später werden sie ihren Kindern davon erzählen, was sie in ihren Nachforschungen erfahren und erlebt haben. Auf diese Weise entsteht ein Mahnmal, das Zeit und Stein überdauern wird. ... Erweisen wir unseren Respekt den jungen Menschen, die uns vor Augen führen, dass Erinnern Heilen bedeutet.“

Im Anschluss daran stellten der Reihe nach alle Jugendlichen "ihre" Gedenksteine vor. Unter folgendem Link kann die Vorstellung des Leimener Gedenksteines nachgelesen werden. Die Gedenkfeier endete nach fast zwei Stunden mit einem bewegenden Gebet des Landesrabbiners Soussan.

Text u.Bild: Martin Delfosse