Wie
jeden Samstag seit dem Monat März, so arbeiteten auch am
21.Mai
2011 die drei Schülerinnen der Geschwister-Scholl-Schule
St.Ilgen
(Katharina Belman, Anastasia Gammermajster und Sabina Kinderknecht)
zusammen mit ihrem betreuenden Lehrer Martin Delfosse an dem zweiten
Stein zum Gedenken an die vier Leimener Bürger, die am
22.Oktober
1940 nach Gurs verschleppt wurden.
Doch
dieses Mal
hatte sich kurzfristig Besuch aus Amerika angekündigt. Die
Nachfahren der Deportierten, die gerade auf einem Treffen ehemaliger
jüdischer Bürgerinnen und Bürger in
Heidelberg
weilten, wollten die drei jungen Damen vor Ort persönlich
kennen
lernen und sich den in Arbeit befindlichen Gedenkstein für
ihre
aus Leimen verschleppten Urgroßeltern Hugo und Karolina Mayer
anschauen. Und so traf man sich bei der Werkstatt von Steinmetz Udo
Baumgärtner in Leimen, wo der Stein steht.
Von
Beginn an
war die Begegnung von großer Herzlichkeit und
großem
Interesse füreinander geprägt. Zunächst
wurden die drei
Schülerinnen und ihr Lehrer mit Mitbringseln aus New York
beschenkt, ehe dann ein intensiver Austausch über das
Mahnmal-Projekt begann.

Katharina
Belman
stand in englischer Sprache Rede und Antwort zum Ablauf dieses
ökumenischen Jugendprojektes, das beinahe schon beendet
gewesen
wäre, ehe es überhaupt hätte anfangen
können, da
die Jugendlichen vom Stadtarchiv Leimen keine Informationen zur
Ortsgeschichte Leimens von 1933-1945 erhielten. Zum Glück
konnten
die Nachfahren von Hugo und Karolina Mayer in Amerika ausfindig gemacht
werden und am 27.Januar 2010, dem Holocaust-Gedenktag, gelang die erste
Kontaktaufnahme. Die Jugendlichen erhielten Briefe von Hugo und
Karolina Mayer aus Leimen von 1939 und Briefe von 1940-1942 aus den
Lagern Gurs und Noe. Damit hatten die Schülerinnen
genügend
Material, um auch eine öffentliche Informationsveranstaltung
durchführen zu können, die dann mit
Unterstützung der
Stadt Leimen und mit Beteiligung von Oberbürgermeister
Wolfgang
Ernst am 15.Juni 2010
stattfand. Es folgte die Anfertigung des ersten Gedenksteines, der in
der zentralen Gedenkstätte Neckarzimmern am 17.Oktober 2010
eingeweiht wurde.
Nach
diesen
Einblicken in die Abfolge des Mahnmal-Projektes in Leimen begannen die
Nachfahren Erinnerungen wiederzugeben, die sie von ihren
Großeltern erzählt bekommen haben. Darunter waren
Details
zur Flucht ihrer Großeltern, denn zwei Kinder von Hugo und
Karolina Mayer, nämlich Gustav und Friedel, konnten 1937 nach
Amerika und das dritte Kind, Kurt Mayer, 1939 nach England auswandern.
Seit dem Tod von Kurt Mayer im Jahre 2008 besitzt nun die
(Stief-)Urenkelin von Hugo und Karolina Mayer alle deren Briefe aus
Leimen, sowie den Lagern Gurs und Noe.
Im
Anschluss an
diesen ersten Austausch wurde das Gespräch bei Kaffee, Kuchen
und
Eis auf dem Leimener Georgi-Marktplatz fortgesetzt. Dank des sehr guten
Englisch der Schulleiterin der GSS-St.Ilgen Frau
Stöckermann-Borst
und der Englischlehrerin Frau Schulze klappte die Kommunikation
weiterhin reibungslos. Zum Schluss wurden die Mail-Adressen
ausgetauscht und einige Erinnerungsfotos gemacht.
Mit
großer
Bewunderung und Dankbarkeit für dieses ehrenamtliche
Engagement
der drei Jugendlichen über die Dauer von nun schon eineinhalb
Jahren verabschiedeten sich die Gäste. Man versprach
miteinander
in Kontakt zu bleiben. Vor allem interessiert den Besuch aus New York,
an welcher Stelle in Leimen zukünftig das Mahnmal zum Gedenken
an
die Deportation von Hugo und Karolina Mayer seinen Platz finden wird.
Übereinstimmend äußerten alle die Hoffnung,
dass es ein
zentraler Platz in Leimen sein wird, als deutliches Zeichen der
Erinnerung gegen das Vergessen.
(Text und
Bilder: Martin Delfosse)